Die Geschichte des Festplatzes liest sich wie ein Straßennamenbuch, denn die Namensgeber der Straßen in der Umgebung - Nassau Odijklaan, Zinzendorflaan, Cornelis Schellingerlaan und Herrnhuttersingel - haben allesamt miteinander und mit der Kirche der Evangelischen Brüdergemeinde zu tun.
Als der Große Kirchensaal, den wir unseren Konzertsaal nennen, im Jahr 1768 eingeweiht wurde, war ihm bereits eine lange Geschichte vorausgegangen. Eine Geschichte, die im Jahr 1722 beginnt, als Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf die Siedlung Herrnhut in Sachsen gründet. Graf Zinzendorf war sehr reiselustig und setzte sich zum Ziel, das Evangelium unter den Menschen zu verbreiten. Im Jahr 1736 kam er in die Niederlande. Von da an ist die Geschichte von Zeist, Slot Zeist und der Evangelischen Brüdergemeine untrennbar miteinander verbunden.
Eigentlich beruht alles auf einem Zufall. Hätte Willem Adriaan van Nassau das Gut und die Herrschaft Zeist im Jahr 1745 nicht zum Verkauf angeboten, wäre es nie in die Hände des Amsterdamer Kaufmanns Cornelis Schellinger gekommen. Schellinger, selbst ein Hernhutterer, kaufte es mit dem Ziel, dort eine Niederlassung der Brüdergemeine zu errichten. Er verschwendete keine Zeit, denn ab 1748 wurde das Haus der Brüder auf der einen Seite der langen Zufahrtsstraße zum Slot und das Haus der Schwestern auf der anderen Seite gebaut. Mehr als ein Jahrzehnt später stehen auf beiden Plätzen etwa zwanzig Häuser, in denen schätzungsweise dreihundert Hernhütter leben.
Wer glaubt, dass alles gut läuft, der irrt. Im späten 18. Jahrhundert wurden die Hernhütter noch als unwillkommene Gäste in den Utrechter Staaten dargestellt. Aber während sie in Herrnhut unter ‘des Herrn Hut’ in Sicherheit waren, konnten sie jetzt wenig tun, weil sie vom Schlosswächter geschützt wurden. Die Feierlichkeiten fanden daher in den Mauern des Schlosses statt, bis am 9. Oktober 1766 der Grundstein für den heutigen Kirchensaal gelegt wurde, der zwei Jahre später eingeweiht werden konnte. Der Kirchensaal musste zwischen die Häuser passen, die damals bereits auf dem Schwesternplatz standen, so dass er das Aussehen eines Reihenhauses erhielt. Das erscheint seltsam, entspricht aber genau der Lebensweise der Hernhütter. Alles unter einem Dach: Wohnen, Arbeiten und Glauben.
Heute, über 250 Jahre später, beherbergt es nicht nur seine eigene Glaubensgemeinschaft, sondern auch zahlreiche kulturelle Aktivitäten innerhalb der Gemeinde. Am Friar Square und am Sister Square befinden sich weitere historische Gebäude. So wurde 2018 im Hernhutter-Haus ein Museum eröffnet, in dem die Geschichte der Glaubensgemeinschaft und des Ortes dargestellt wird. Außerdem gibt es den Kleinen Kirchensaal und das Kutschenhaus, in denen auch einige unserer Aktivitäten während des Festivals stattfinden. Ohne die Bruderschaft wäre Zeist um einen wichtigen Veranstaltungsort ärmer.